Orangensaft und Herzgesundheit: Studie untersucht Wirkung von Hesperidin

Eine aktuelle klinische Studie untersucht, wie bioaktive Inhaltsstoffe aus 100-prozentigem Orangensaft im menschlichen Körper wirken. Im Fokus steht Hesperidin, ein in Zitrusfrüchten vorkommendes Polyphenol. Die Ergebnisse zeigen eine gute Aufnahme der Pflanzenstoffe und Veränderungen bei Genen beziehungsweise biologischen Signalwegen, die mit der Gefäßfunktion verbunden sind. Ein kurzfristiger gesundheitlicher Effekt auf Blutdruck oder Gefäßfunktion konnte dagegen nicht nachgewiesen werden.

Neue Studie untersucht Orangensaft und Gefäßgesundheit

Orangensaft wird aufgrund seines natürlichen Zuckergehalts immer wieder kritisch betrachtet. Eine neue klinische Studie hat deshalb untersucht, welche biologischen Effekte der regelmäßige Konsum von 100-prozentigem Orangensaft tatsächlich im Körper auslösen kann.

Im Mittelpunkt standen bioaktive Pflanzenstoffe aus der Orange, insbesondere das Polyphenol Hesperidin. Die Untersuchung zeigt, dass diese Stoffe nach dem Konsum aufgenommen werden und biologische Prozesse beeinflussen können, die mit der Gefäßgesundheit in Verbindung stehen.

Die Studie wurde von Forschenden unter anderem der Université Clermont Auvergne und des französischen Forschungsinstituts INRAE durchgeführt und im Fachjournal Food & Function veröffentlicht.

330 Milliliter Orangensaft täglich

An der randomisierten, doppelblinden und kontrollierten Crossover-Studie nahmen 37 Männer mit zentraler Übergewichtigkeit teil. Die Teilnehmer konsumierten in jeweils sechswöchigen Untersuchungsphasen täglich 330 Milliliter 100-prozentigen Orangensaft.

Zum Vergleich erhielten sie außerdem ein kaloriengleiches Kontrollgetränk sowie ein Kontrollgetränk, das mit Hesperidin angereichert war. Die verschiedenen Testphasen wurden durch Auswaschphasen voneinander getrennt.

Untersucht wurden unter anderem die Aufnahme von Flavanonen, die Gefäßfunktion sowie verschiedene Stoffwechsel- und Körpermaße. Zusätzlich analysierten die Forschenden bei einer Untergruppe der Teilnehmer die Genaktivität.

Hesperidin wird vom Körper aufgenommen

Hesperidin gehört zur Gruppe der Flavanone und kommt natürlicherweise in Zitrusfrüchten vor. Die Untersuchung zeigte, dass die im Orangensaft enthaltenen Hesperidin-Verbindungen vom Körper aufgenommen und verstoffwechselt werden.

Die Forschenden fanden zudem Hinweise darauf, dass Orangensaft und Hesperidin bestimmte biologische Signalwege beeinflussen, die mit der Funktion von Blutgefäßen zusammenhängen. Die Genexpressionsanalysen wurden allerdings nur bei neun Teilnehmern durchgeführt und sind daher als explorative Ergebnisse einzuordnen.

Damit liefert die Studie Hinweise auf biologische Wirkmechanismen. Sie belegt jedoch nicht, dass Orangensaft Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems verhindert oder behandelt.

Keine kurzfristige Verbesserung der Gefäßfunktion

Bei der Interpretation der Ergebnisse ist deshalb ein wichtiger Punkt zu beachten: Trotz der beobachteten molekularen Veränderungen konnten die Forschenden keine signifikanten kurzfristigen Verbesserungen der Gefäßfunktion feststellen.

Auch Blutdruck, Körpergewicht, Bauchumfang, Blutzucker, Insulin und weitere untersuchte Stoffwechselparameter unterschieden sich nach den sechs Wochen nicht signifikant von der Kontrollbedingung.

Die Studie liefert somit vor allem Erkenntnisse darüber, dass die bioaktiven Inhaltsstoffe des Orangensafts im Körper biologisch aktiv werden. Ob daraus bei längerem Konsum tatsächlich messbare Vorteile für die Herz-Kreislauf-Gesundheit entstehen, bleibt offen und muss in weiteren Untersuchungen geklärt werden.

Orangensaft ist mehr als Vitamin C

Die Ergebnisse erweitern den Blick auf Orangensaft. Neben Vitamin C enthält 100-prozentiger Orangensaft verschiedene weitere natürliche Inhaltsstoffe, darunter Flavanone wie Hesperidin.

Gerade diese Kombination macht Fruchtsaft für die Ernährungsforschung interessant. Die aktuelle Untersuchung zeigt, dass die Wirkung eines Lebensmittels nicht allein anhand seines Zuckergehalts beurteilt werden kann. Gleichzeitig lässt sich aus den Ergebnissen auch nicht ableiten, dass Orangensaft uneingeschränkt als gesundheitsförderndes Getränk angesehen werden sollte.

Für Verbraucher bleibt daher entscheidend, zwischen wissenschaftlich nachgewiesener Aufnahme und biologischer Aktivität einzelner Inhaltsstoffe und einem tatsächlich belegten gesundheitlichen Nutzen zu unterscheiden