Niagara Wine Trail feiert 2027 sein 25-jähriges Bestehen
New York State verbindet eine vielfältige Weinlandschaft mit historischen Kellereien, familiengeführten Weingütern und touristischen Angeboten rund um den Wein. Ein Beispiel ist der Niagara Wine Trail im Westen des Bundesstaates. Als die Route 2002 gegründet wurde, gehörten ihr zwei Weingüter an. Heute verbindet sie zwölf Betriebe auf einer Strecke von rund 97 Kilometern.
In der Region werden unter anderem Pinot Noir, Cabernet Franc, Chardonnay und Riesling angebaut. Der nahe Lake Ontario und die Hanglagen beeinflussen die klimatischen Bedingungen der Weinberge und können die Reifezeit der Trauben verlängern.
Bei der Black Willow Winery gehören Schokolade und Wein zur Verkostung. Vizcarra Vineyards empfängt Besucher auf Becker Farms, einem Familienbetrieb, der seit fünf Generationen bewirtschaftet wird. Neben Führungen und Weinproben können Gäste dort auch in Hütten auf dem Gelände übernachten.
Johnson Estate: Weinbaugeschichte seit 1908
Am Lake Erie, in Westfield, liegt Johnson Estate. Die Geschichte des Betriebs reicht bis ins Jahr 1908 zurück, als Frederick Johnson Concord-Reben pflanzte. Die Trauben wurden zunächst vor allem zu Saft verarbeitet. Sein Sohn Frederick Spencer Johnson erkannte später das Potenzial für die Weinherstellung und gründete 1961 die Kellerei.
Heute führt die dritte Generation der Familie den Betrieb. Auf dem Weingut wachsen 13 Rebsorten, darunter Concord, Niagara, Riesling, Chardonnay und Pinot Noir.
Der Lake Erie speichert während des Sommers Wärme und gibt sie in den kühleren Monaten wieder ab. Das kann die Vegetationsperiode verlängern und den Trauben zusätzliche Reifezeit verschaffen.
Deutsche Einflüsse bei der Riesling-Produktion
Auch deutsche Weinbautraditionen spielen bei Johnson Estate eine Rolle. Winzer Jeff Murphy reist regelmäßig nach Deutschland, um Anbaumethoden und Verfahren der Weinherstellung kennenzulernen. Seine Erfahrungen fließen in die Riesling-Produktion am Lake Erie ein.
Das Weingut stellt vier unterschiedliche Rieslinge her, darunter trockene, halbtrockene und süße Varianten.
Weinlese zum Mitmachen
Im Herbst können Besucher beim „Grape Picking & Vineyard Walk“ die Weinberge selbst erkunden. Sie erhalten einen Korb, eine Rebschere und eine Karte, mit der sie ihren Spaziergang durch die Rebanlagen planen können. Je nach Reifezeit dürfen Trauben probiert, geschnitten und mitgenommen werden.
Dabei lassen sich auch Unterschiede zwischen den Rebsorten unmittelbar erleben. Die früh reifenden kleinen Beeren von Maréchal Foch können beispielsweise vor dem später reifenden Riesling geerntet werden. Welche Trauben verfügbar sind, hängt vom jeweiligen Besuchszeitpunkt ab.
Brotherhood: Eine Kellerei übersteht die Prohibition
Im Hudson Valley befindet sich mit Brotherhood eine traditionsreiche Kellerei. Ihre Geschichte begann 1824 in Washingtonville, als der Schuhmacher John Jaques Weintrauben anbaute und später auf dem New Yorker Markt verkaufte. Nachdem die Traubenpreise gesunken waren, begann er, die Ernte zu Wein zu verarbeiten. 1839 brachte er den ersten kommerziellen Jahrgang unter dem Namen Blooming Grove Winery heraus.
Die Kellerei gilt als älteste kontinuierlich betriebene Kellerei der USA. Auch während der Prohibition, die 1920 begann, blieb der Betrieb aktiv. Wein durfte weiterhin für religiöse und medizinische Zwecke hergestellt werden.
Nach Angaben der Kellerei lagerte während dieser Zeit zudem ein Bestand von fast einer halben Million Flaschen Schaumwein aus dem Jahrgang 1915 in den unterirdischen Kellern. Nach dem Ende des Alkoholverbots im Dezember 1933 kamen die Flaschen auf den Markt.
Heute führen Touren durch die historischen, von Hand angelegten Keller. Mehr als 200 Eichenfässer lagern in den Gewölben. Anschließend können Besucher die Weine des Hauses verkosten.
Long Island: Besucher komponieren ihre eigene Cuvée
Auf Long Island verbindet Sannino Vineyard Weinbau und Übernachtungsangebote. Anthony Sannino lernte die Weinherstellung bei Verwandten auf der italienischen Insel Ischia kennen. Später pflanzte er selbst Reben und stellte Wein für Familie und Freunde her.
2006 erwarben Anthony und Lisa Sannino einen rund zwei Hektar großen Weinberg in Cutchogue auf der North Fork von Long Island. Dort wachsen unter anderem Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc und Merlot. Aus dem ursprünglichen Familienprojekt entwickelte sich ein Betrieb mit fünf Gästezimmern.
Ein besonderes Angebot sind die sogenannten VIP Blending Sessions. Dabei begleitet Anthony Sannino die Teilnehmer durch die Weinberge, Produktionsräume und den Fasskeller. Nach einer Verkostung und einem leichten Mittagessen stellen die Gäste unter Anleitung ihre eigene Rotwein-Cuvée zusammen. Für das Erlebnis sollten rund drei Stunden eingeplant werden. Zum Abschluss nimmt jeder Teilnehmer eine Flasche des selbst komponierten Weins mit nach Hause.
New York State zählt zu den bedeutenden Weinregionen der USA
New York State ist nach Angaben der Tourismusorganisation der drittgrößte Weinproduzent der Vereinigten Staaten. Auf rund 12.000 Hektar werden Trauben für Wein und Saft angebaut.
Auch wirtschaftlich spielt die Branche eine Rolle: Eine von WineAmerica veröffentlichte Studie beziffert die durch die Weinwirtschaft ausgelöste wirtschaftliche Aktivität im Bundesstaat für 2025 auf rund 16,8 Milliarden US-Dollar. Dazu zählen neben Weinbau und Kellereien unter anderem Handel und Tourismus.
Die Finger Lakes wurden vom Fachmagazin Wine Enthusiast zur amerikanischen Weinregion des Jahres 2025 gekürt.
Weitere Informationen zu Weinregionen, Weingütern und Reiseangeboten stellt die offizielle Tourismusplattform I LOVE NY bereit.






