Rioja meldet frühe Weinlese 2026 und mehr Weißweintrauben

Die spanische Weinregion DOCa Rioja zieht eine positive erste Bilanz der Weinlese 2026. Trotz großer Hitze und Trockenstress präsentierten sich die Trauben in einem sehr guten Gesundheitszustand. Bis Anfang Oktober wurden rund 358 Millionen Kilogramm geerntet. Besonders deutlich fiel der Zuwachs bei weißen Trauben aus. Zudem ermöglichen neue Vorgaben erstmals Weine mit geringerem Alkoholgehalt.

Rioja schließt Weinlese 2026 ungewöhnlich früh ab

Die Weinlese in der spanischen Herkunftsregion DOCa Rioja begann 2026 ungewöhnlich früh. Der Vegetationszyklus startete zeitig, auch die weitere Entwicklung lag im Durchschnitt etwa zwölf Tage vor dem üblichen Verlauf. Hohe Temperaturen und Trockenstress prägten die Saison und stellten die Winzer vor besondere Herausforderungen bei der Wahl des optimalen Lesezeitpunkts.

Um die Trauben möglichst kühl in die Weinkeller zu bringen, wurde teilweise nachts geerntet. Die Lese konnte größtenteils am 22. September abgeschlossen werden. Nach Angaben des Consejo Regulador befanden sich die Trauben in einem sehr guten Gesundheitszustand. Nennenswerte Krankheiten oder Fäulnis seien nicht aufgetreten.

Die Erträge fielen je nach Wasserverfügbarkeit und Standort unterschiedlich aus. Die Vielfalt der Region mit ihren unterschiedlichen Höhenlagen, Böden, Mikroklimata und Rebsorten erwies sich dabei als wichtiger Faktor im Umgang mit den klimatischen Bedingungen.

Rund 358 Millionen Kilogramm Trauben eingebracht

Bis Anfang Oktober wurden in Rioja rund 358 Millionen Kilogramm Trauben geerntet. Davon entfielen knapp 315 Millionen Kilogramm auf rote und gut 43 Millionen Kilogramm auf weiße Trauben. Damit liegt die Erntemenge deutlich über den beiden mengenmäßig schwachen Vorjahren.

Auch die ersten Qualitätseindrücke stimmen die Verantwortlichen zuversichtlich. Alejandra Rubio, Technische Direktorin des Consejo Regulador der DOCa Rioja, berichtet von frischen Weiß- und Rotweinen mit guter Säure. Diese Eigenschaften entsprächen den aktuellen Erwartungen vieler Kunden.

Nach der Abkühlung in der zweiten Septemberhälfte profitierten insbesondere später gelesene rote Trauben von den kühleren Nächten. Bei den daraus entstandenen Weinen beobachtet der Consejo Regulador eine intensivere Farbe, eine ausgewogenere phenolische Reife sowie gute Werte bei Polyphenolen und Anthocyanen.

Weißweinproduktion gewinnt an Bedeutung

Besonders deutlich fiel der Zuwachs bei den weißen Trauben aus. Ihre Menge stieg nach Angaben der DOCa Rioja von rund 34 Millionen Kilogramm im Vorjahr auf mehr als 43 Millionen Kilogramm im Jahr 2026.

Damit kann die Region auf die hohe Nachfrage nach Rioja-Weißweinen besser reagieren. In den vergangenen Jahren hatten die verfügbaren Mengen teilweise nicht ausgereicht, um den Bedarf vollständig zu bedienen.

Die größere Ernte eröffnet außerdem Spielraum für die Produktion junger Weine, die zeitnah vermarktet werden können. Die Entwicklung unterstreicht die wachsende Bedeutung weißer Rebsorten innerhalb des Rioja-Portfolios.

Ertragsregulierung soll Qualität und Marktgleichgewicht sichern

Mit dem sogenannten „Plan de Equilibrio“ steuert die DOCa Rioja die für die Vermarktung zugelassenen Erträge. Für die Lese 2026 wurde bei roten Trauben festgelegt, dass 90 Prozent des regulär zulässigen Höchstertrags als DOCa Rioja anerkannt werden. Das entspricht maximal 5.850 Kilogramm pro Hektar.

Für weiße Trauben gilt dagegen weiterhin der reguläre Höchstertrag von maximal 9.000 Kilogramm pro Hektar.

Mit der gezielten Begrenzung der vermarktungsfähigen Erträge will die Herkunftsregion Qualität und Marktgleichgewicht langfristig sichern. Die Regelungen sollen damit auch auf die wirtschaftlichen und klimatischen Herausforderungen des Weinbaus reagieren.

Neue Regeln ermöglichen Weine mit weniger Alkohol

Eine weitere Neuerung betrifft die Herstellung von Weinen mit niedrigerem Alkoholgehalt. Die bereits 2025 beschlossene Erweiterung des Pflichtenhefts wurde erstmals in den Vorgaben für die Weinlese 2026 berücksichtigt.

Sie ermöglicht Rot-, Weiß- und Roséweine mit bis zu 1,5 Prozentpunkten weniger Alkohol sowie Schaumweine mit bis zu einem Prozentpunkt weniger. Dafür wurde bei weißen Trauben der erforderliche potenzielle Mindestalkoholgehalt von 10,5 auf 9 Prozent vol. abgesenkt. Bei roten Trauben bleibt der Wert bei 11 Prozent vol.

Die Anpassung erweitert die Möglichkeiten der Erzeuger, auf veränderte Marktbedürfnisse und den Wunsch nach leichteren Weinen zu reagieren. Zugleich bleibt die Produktion an die Vorgaben der geschützten Herkunftsbezeichnung gebunden.

Digitales Portal unterstützt die Winzer

Erstmals stand den Winzern während der Lese das digitale „Portal del Viticultor“ zur Verfügung. Über die Plattform erhielten sie unter anderem individuelle Ertragsschätzungen für ihre Parzellen und aktuelle Informationen zum Verlauf der Lese.

Auch Anträge zur Bewässerung konnten digital eingereicht werden. Damit schafft der Consejo Regulador einen zusätzlichen direkten Informationskanal, der die Planung und Durchführung der Ernte unterstützen soll.

Die Weinlese 2026 zeigt damit sowohl die Herausforderungen durch Hitze und Trockenheit als auch die Anpassungsfähigkeit der Rioja-Weinwirtschaft. Die größere Erntemenge, der Zuwachs bei weißen Trauben und die erweiterten Möglichkeiten für Weine mit geringerem Alkoholgehalt prägen den Jahrgang.